Ubiquitous Computing
Unter “Ubiquitous-Computing“ ist ein Sammelbegriff für Kleingeräte zu verstehen, die spontane, nutzerunabhängige Netzwerke bilden, um bestimmte Aufgaben zu erledigen (wikipedia.org).
Das Problem an solchen Spontannetzwerken ist, dass der normale Nutzer sie weder bemerken noch verstehen kann – und somit auch keinerlei Kontrolle darüber hat, welches Gerät welche Daten an welche Firma oder andere Geräte überträgt. Wie so oft birgt die Technik große Möglichkeiten, das Leben zu vereinfachen, aber eben auch starke Risiken (heise.de).
RFIDs werden in solchen Spontannetzwerken zur Gegenstandsidentifikation eine große Rolle spielen.
Beispiele für bereits im Einsatz befindliche, ubiquitäre Techniken:
- “Zürcher Wissenschaftler haben eine Open-Source-Software entwickelt, die Mobiltelefone zu Video-Überwachungssystemen vernetzen kann. Aus der geschickten Kombination der Kamerabilder soll dabei eine “Schwarm-Intelligenz“ entstehen“ (spiegel.de)
- “Mobiltelefone als ultimative Datenerfassungsmaschine“ (heise.de)
- “Deutschlands Ampeln sollen “intelligenter“ werden. Wissenschaftler der Uni Kassel arbeiten derzeit an einer Technik, die ein Zusammenspiel von Ampeln und Autos ermöglichen soll. Ziel der Forschung: besserer Verkehrsfluss und weniger Abgas“ (spiegel.de)
Funktionsweise und Vorteile
Ubiquitous Computing soll dem Anwender das Leben erleichtern – beispielsweise könnte der Kühlschrank die Information, dass die Milch alle ist (erkannt durch den RFID-Chip in den Produkten), an das Handy im Vorbeigehen weiterleiten. Dieses setzt dann einen Termin zum Milchkaufen bzw. ergänzt automatisch die Einkaufsliste. Alternativ kann der Kühlschrank die Milch natürlich auch gleich übers Netz bestellen und den Zeitpunkt der Lieferung, der von dem Händler automatisch übermittelt wird, ins Handy eintragen.
Oder die Armbanduhr stellt eine Verbindung mit dem Handy oder einem WLAN-Hotspot her, um den aktuellen Aufenthaltsort und somit die Zeitzone zu erfahren. Oder ein Skianzug hat Sensoren, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit messen, und leitet diese Informationen an beliebige Gegenstellen (z.B. medizinische Einrichtungen) weiter, weil diese die Informationen in ihre Verarbeitung einbeziehen könnten…
Anderes Beispiel: Handys mit Navigationssystemen besitzen prinzipbedingt einen Rückkanal. D.h., das Gerät kann (und tut dies bereits) den aktuellen Aufenthaltsort auf wenige Meter genau an den Hersteller übermitteln. Dieser muss das Ganze aus verschiedenen Gründen (kommerzielle und juristische) speichern.
Problematik
Der Nutzer verliert vollständig die Kontrolle über seine Daten, da gar nicht mehr klar ist, was genau was an wen und warum sendet. Eine detaillierte Technikfolgenabschätzung im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung findet sich hier (PDF, datenschutzzentrum.de).
Auch hier gilt wieder der Grundsatz: sind Daten erstmal vorhanden, wecken sie Begehrlichkeiten. In diesem Fall handelt es sich um eine schier unendliche Datenfülle, die – abgesehen von der Werbeindustrie – auch die europäischen Innenpolitiker interessiert: “Der von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble einberufenen “Zukunftsgruppe“ zur Brüsseler Innenpolitik schwebt laut Statewatch vor, Sicherheitsbehörden uneingeschränkte Befugnisse zum Sammeln und Auswerten riesiger Datenmengen aus dem täglichen Leben der Bürger zu geben. Jeder Gegenstand, den ein Individuum nutze, jede Transaktion und jeder Schritt erzeuge einen detaillierten digitalen Eintrag in Datenbanken, zitieren die britischen Bürgerrechtler aus EU-Papieren für den künftigen Fünfjahresplan für die Sicherheitspolitik.“ (heise.de)
Ein Beispiel für derlei Gedankenspiele ist bereits Realität: “iPhone macht ständig Screenshots von Anwendungen – Ein Protokoll, Bild für Bild: Einem US-Sicherheitsexperten zufolge machen iPhones automatisch reichlich Schnappschüsse vom Bildschirm des Nutzers. Ermittler sollen darauf zugreifen können und die Lücke schon für die Strafverfolgung eingesetzt haben. Apple schweigt dazu.“ (spiegel.de)
Aus Sicht der Innenpolitiker ist die Vorstellung nachvollziehbarerweise verlockend: die richterliche Genehmigung zur Überwachung entfiele und es liegen bereits exakte Profile (inkl. Videoüberwachung – man denke an die zahlreichen vernetzten Geräte, die bereits Kameras enthalten) über einen längeren Zeitraum in der Vergangenheit vor. Dezidierte Lauschangriffe würden unnötig, da sie bereits präventiv für praktisch jeden Bürger vorliegen. Mit Historie.
Lösungsmöglichkeiten
Zukünftig erscheint es unmöglich und auch nicht sinnvoll, ubiquitärem Computing ausweichen zu wollen. Durch die vollständige Durchdringung nähme man am gesellschaftlichen Leben kaum noch Teil.
Dementsprechend ist das einzige Mittel, seine Daten nur an die Stellen weiterleiten zu lassen, die man wünscht, Wissen. Wissen über die Funktionsweise der einzelnen Geräte und deren Verbreitung.
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