Anonyme Bewegung
Es ist natürlich möglich, sich anonym zu bewegen – allerdings gehört schon jetzt ein wenig Hintergrundwissen dazu. Zukünftig wird es schwierig.
Im Folgenden werden einige Punkte gezeigt, die die Anonymität – so sie gewünscht ist – einschränken können.
Hintergrund
- Biometrische Kameras in Verbindung mit zentral gespeicherten biometrischen Bildern aller Bürger (spiegel.de) machen Personen theoretisch an praktisch jeder mit Überwachungskamera ausgestatteter Stelle automatisch identifizierbar (heise.de).
- Durchdringung mit (biometrischen) Kameras: im Kino zur Zuschauerüberwachung (heise.de), an Zigarettenautomaten (golem.de), zukünftig an U-Bahn-Eingängen (taz.de), Spähdronen: “Die Polizei in Miami setzt demnächst fliegende Augen zur Überwachung ein“ (spiegel.de)…
- Flugtickets sind grundsätzlich personalisiert. Bahntickets sind nur dann nicht personalisiert, wenn man sie bar bezahlt und keine Bonuspunkte sammelt. Allerdings plant die EU-Ratspräsidentschaft aktuell auch eine verbindliche, personalisierte Aufzeichnung aller Bahn- und Schiffsreisen (heise.de). In Verbindung mit dem KFZ-Scanning verbliebe – wenn das Vorhaben durchkommt – als einzige anonyme Reisemethode das Fahrrad oder derzeit noch die Nutzung von Nebenstraßen.
- Jede finanzielle Transaktion, die nicht bar abläuft, wird personalisiert und lokalisiert gespeichert – und kann von verschiedenen Parteien eingesehen werden (heise.de).
- Durch Hinzufügen von RFID-Staub in Geldscheine als zusätzliches Sicherheitsmerkmal (heise.de) zukünftig wird es möglich sein, auch Geldscheine personalisiert zuzuordnen. Bei Abheben am Schalter oder am EC-Automaten können die eindeutigen IDs der Geldscheine dem Bankkunden zugeordnet werden, was auch Barzahlung verfolg- und personalisierbar machen würde. Schweden ist an dieser Stelle schon einen Schrtt weiter: dort macht sich eine gewaltige Lobby aus Gewerkschaften, Parteien und Wirtschaft für eine komplett bargeldlose Gesellschaft stark (spiegel.de).
- Dadurch auch nicht-personalisiertes Reisen per Barzahlung schwierig möglich.
- Viele Straßenbahnsysteme arbeiten nur noch mit personalisierten Systemen; beispielsweise RFIDs (spiegel.de), Handybezahlsystemen o.ä.
- Identifizierbarkeit im eigenen Auto durch Kfz-Scanning (spiegel.de), Mobilfunkortung (unter Umständen auch bei ausgeschaltetem Telefon – sicher nur bei entferntem Akku) und Spontannetzwerkbildung.
- Mobilfunkzugänge sind ausschließlich personalisiert zu bekommen, wodurch eine Zuordnung Gerät/Aufenthaltsort – Nutzer stets möglich sein soll.
- WLAN-Hotspots sind zum allergrößten Teil auch nur noch personalisiert nutzbar.
- Viele Navigationssysteme haben einen Rückkanal, der die Herstellerfirma oder Dritte über die aktuelle Position informiert. Dies gilt für alle onlinefähigen Systeme (Vodafone-Navigator, Ö-Navi…), die Kartenmaterial automatisch nachladen.
- Nach Einführung des elektronischen Personalausweises und der Komplettablösung des Barcodes durch RFID ist jeder Bürger an jedem RFID-Scanner eindeutig identifizierbar – solche Scanner müssen nicht zwingend sichtbar sein.
- Als Zukunftsaussicht: “Die schwedische Regierung will den Sicherheitsbehörden künftig Zugriff auf die seit 1975 routinemäßig eingelagerten Blutproben aller Bürger gewähren.“ (taz.de) - mit Einführung einer zentralen Fingerabdruckdatenbank eine ideale Kombination.
